Die Auto-ID-Technologie RFID macht Logistik resilient

Stefan Seufert, CTO/Vorstand EIKONA AG
RFID-Ettikettrolle welche für die Nutzung von RFID in der Logistik steht

Weltweite Wertschöpfungsketten haben Logistikprozesse immer komplexer gemacht. Fallen Lieferanten, Schnittstellen oder Transportwege aus, kommt die Versorgung von Unternehmen leicht zum Erliegen. Deshalb arbeiten Logistiker und Dienstleister bereits seit Jahren daran, die Resilienz gegen Störungen zu erhöhen. Ein wichtiges Instrument dafür sind Autoidentifikationstechnologien wie RFID (Radio Frequency Identification), NFC (Near Field Communication) und UWB (Ultra-Wideband), die per Funk kommunizieren.


Logistische Planung lebt von der Information. Wer genau weiß, welche Artikel er erwartet, wo sie sich aktuell befinden, und wann sie voraussichtlich am Bestimmungsort eintreffen, kann seine Produktion und Zustellung darauf einstellen. Ein Prozessvorsprung, der eine geschlossene Informationskette voraussetzt. Wer sie engmaschig knüpfen will, setzt dafür auf lückenloses Tracking entlang sämtlicher Schnittstellen in der Logistikkette. Mit funkgestützten Auto-ID-Technologien wie RFID ersparen sich die Anwender dabei manuelle Scans und profitieren von automatischer

  • Datenerfassung
  • Datenerhebung
  • Datenübertragung

Anders als optische Systeme mit ein- und zweidimensionalen Flächencodes oder Formenerkennungen sind die Datenfunksignale über ihre Frequenzen auch außer Sicht für eine zweifelsfreie Lokalisierung geeignet.


Schnelle Erkennung mit RFID

Zu den Stärken der Funktechnologien gehört ihre enorme Geschwindigkeit. Sie identifizieren Güter in Sekundenschnelle ohne physischen oder Sichtkontakt. In Logistikprozessen bedeuten diese Lösungen enorme Vorteile bei der Nachverfolgbarkeit. Denn neben Sendungen und Packstücken lassen sich so auch einzelne Artikel automatisch erkennen. Das erlaubt zudem eine mühelose Erfassung einzelner Arbeitsschritte. Dabei besitzt die RFID-Technologie weiterreichende Vorteile gegenüber Barcodes und QR-Codes: Die eingesetzten Tags können als selbständige Datenspeicher fungieren und so Informationen automatisch dezentral bereitstellen. Für einen reibungslos funktionierenden RFID-gestützten Prozess benötigen Speditionen und Logistiker Lesegeräte mit Antennen, Tags und RFID-Drucker sowie je nach Einsatzzweck auch aktiv sendende Transponder mit Mikrochips, eigener Stromversorgung und höherer Reichweite.


RFID-Tags steuern Prozesse selbständig

Durch ihre Fähigkeit, Daten am Objekt zu speichern, dokumentieren RFID-Tags die Erledigung sämtlicher Aufgaben in Logistikprozessen bereits parallel zu ihrer Durchführung. Damit befähigen sie die Artikel außerdem dazu, ihre Bearbeitungs- und Transporthistorie zu verwahren, oder Prüfberichte zu Qualität und Ursprung bereitzustellen. Diese Inhalte können sie an physischen Schwellen im Logistikprozess kontaktlos bereitstellen und so in die Prozesssteuerung eingreifen. Damit sichern sich Logistiker auch Vorteile bei der internen Wegeplanung und schaffen eine Flexibilität und Skalierbarkeit ihres Materialflusses. Durch gezielte Datenauswertung steigern sie die Effizienz ihrer Prozesse und können ihre Transportressourcen stärker auslasten.


RFID-gestützte Prozesse stärken die Resilienz der Logistik

Mit der Autoidentifikation verringert der Einsatz von RFID-Technologie die Anzahl der benötigten Schnittstellen in Logistikprozessen und erlaubt so eine schnellere Materialbereitstellung. Dadurch lassen sich insbesondere solche Prozesse automatisieren, die ansonsten einen hohen manuellen Aufwand erfordern. Dazu gehört beispielsweise der Wareneingang samt Prüfung der angelieferten Produkte. Denn die Funktags ermöglichen eine Wareneingangskontrolle in Echtzeit. Bestätigt sie die Vollständigkeit aller erwarteten Artikel, kann sie zudem selbständig die nachgelagerten Prozesse aktivieren, beispielsweise die Just-in-Sequence-Montage von Bauteilgruppen oder Karosserien in der Automobilindustrie. Durch die Datenübertragung erhält die Produktionsplanung das automatische Go für die vorgesehene Fertigung. Selbst im Vergleich mit den fortschrittlichsten optischen Identifikationsmerkmalen wie Barcodes, QR-Codes und Datenbrillen ein enormer Vorteil, weil keinerlei Sichtkontakt benötigt wird, um einzelne Artikel zu erkennen – beispielsweise die Packungseinheiten auf einer Mischpalette Stückgut. Die Informationen werden dabei automatisch an Schwellen wie etwa den Verladetoren durch RFID-Leser erfasst und übertragen. Ein enormer Geschwindigkeitszuwachs und damit auch Treiber für eine deutlich höhere Effizienz.


Fazit

RFID-gestützte Prozesse stärken die Resilienz der Logistik

Stabile Logistikprozesse benötigen Präzision und Elastizität, also die Fähigkeit zur spontanen Anpassung in Echtzeit bei allen denkbaren Abweichungen. Autoidentifikationstechnologien wie RFID beschleunigen nicht nur die Datenerfassung und Datenerhebung. Sie knüpfen auch die Informationsketten wesentlich dichter, weil sie über die kontinuierliche Statuserfassung hinaus auch jederzeit die Lokalisation ermöglichen. Mit dieser hohen Informationsdichte können Spediteure und Logistiker ihre Transportplanung proaktiv modifizieren, bevor es zu Prozessfehlern und Fehlmengen in der Warenversorgung kommt. Das ist effizient und verbessert auch die Resilienz von Wertschöpfungsketten erheblich.


Stefan Seufert
Stefan Seufert
CTO / Vorstand

Wie kein Zweiter fuchst sich der Software-Entwickler als Meister des Konzepts in die Anforderungen von Logistikdienstleistern. Informationen sicher und effizient auszutauschen und damit auch den physischen Logistik-Prozess zu beschleunigen, ist seine Leidenschaft.


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