Moderne Schnittstellen: Mit Echtzeit-Informationen arbeiten

Bastian Späth
Moderne Schnittstellen: Mit Echtzeit-Informationen arbeiten

Zeitkritische Logistikkonzepte wie Just in Sequence und Same Day Delivery benötigen komplexe IT-Systeme mit modernen Schnittstellen. Denn das Supply Chain Management ist heute auf exakte Informationen angewiesen, die in Echtzeit zur Verfügung stehen.


Dieser Datenaustausch gelingt nur über moderne Schnittstellen, die folgende Eigenschaften aufweisen:

  • eventbasierte Datenübertragung
  • verzögerungsfreien Datenaustausch
  • Skalierbarkeit
  • unkomplizierte Verschlüsselungstechnologie

Erst mit diesen Fähigkeiten entsprechen IT-Systeme den hohen organisatorischen Standards von solchen Logistikmodellen, bei denen die Supply Chain immer enger geknüpft und Prozesse auch über Unternehmensgrenzen hinweg synchronisiert werden. Bewährte organisatorische Standards und Schnittstellen sind für diese beinahe nahtlose Verbindung meist nicht mehr geeignet.


Starrer Zeittakt

Filebasierten Schnittstellen fehlen Dynamik und Geschwindigkeit

Zu den größten Problemen althergebrachter Schnittstellen gehört es nämlich, dass sie zu langsam für ineinander verwobene Abläufe sind. Das gilt aus zwei Gründen: sie sind file- und zeitplanbasiert. Sie tauschen Dateien nach einem festen Rhythmus aus. Datenbereitstellung und -abholung folgen dabei gewissermaßen einem starren Fahrplan, der den Takt für eine neue Statusinformation vorgibt. Wir kennen das vom Bahnfahren: Wenn wir einen Anschlusszug auch nur um eine Minute verpassen, sind wir deutlich später am Ziel – obwohl die reine Fahrzeit gleichbleibt. Eine zusätzliche Schwierigkeit bei der Verwendung solcher Schnittstellentypen ist die Notwendigkeit, die Daten physisch in einem ganz bestimmten Server zu speichern, der beispielsweise das File Transfer Protocol (FTP) verwendet. Sind dessen Übertragungskapazitäten erschöpft, können sie nicht flexibel erweitert werden. Für den Empfänger tritt dann eine zusätzliche Verzögerung ein. Gleichzeitig kann der Betreiber des FTP-Servers diesen nicht einfach durch eine weitere Maschine ergänzen, weil dieselben Daten physisch nur auf einem der beiden Geräte liegen können. Darüber hinaus sind für einen verschlüsselten Datenaustausch häufig Abstimmungen zwischen dem Serverbetreiber und dem Empfänger erforderlich, bei denen die Beteiligten beispielsweise IP-Adressen und freigegebene Ports austauschen.


Veränderte Logistikstrukturen

Zuverlässige Echtzeitinformation durch moderne Schnittstellen

Die Anforderungen an eine durchgängig verknüpfte Supply Chain und damit auch an aktuelle IT-Systeme sind dagegen ständige Verfügbarkeit, hohe Zuverlässigkeit, flexible Anbindung und effiziente Ressourcennutzung. Veränderte Strukturen in Produktion, Handel und Logistik machen es zunehmend erforderlich, Prozesse miteinander zu verzahnen, auch wenn unterschiedliche Akteure sie bearbeiten. Zum Beispiel liefern Logistiker Teile und Baugruppen für die Automobilproduktion häufig direkt in die Produktionslinien. Exakt abgestimmt auf den Zeitpunkt, zu dem die Bandarbeiter sie benötigen. Damit das gelingt, müssen die Daten genauso aktuell sein wie die Produktionsplanung, also in Echtzeit übertragen werden. Daran richtet sich das technische Vorgehen moderner Schnittstellen aus: die Datenübermittlung ohne Verzögerung.


Eventbasierter Datenaustausch

APIs und Message Broker kommunizieren schneller

Mit modernen Programmierschnittstellen (APIs) sparen sich Empfänger die regelmäßige Abfrage, ob neue Informationen für sie vorliegen. Oder – um im Bild vom Bahnfahren zu bleiben: Es muss nicht jede Stunde ein Zug fahren, wenn er keine Fahrgäste hat. Stattdessen erhält ein Empfänger automatisch eine Nachricht darüber, dass neue Daten für ihn vorliegen – und das direkt, sobald sie eintreffen. Dieses Vorgehen nennt man eventbasiert. Die Nachricht geht über die Schnittstelle direkt zum Empfänger, ohne Verzögerung. Damit verbunden ist auch die Möglichkeit, den Datenaustausch flexibel zu skalieren. Denn APIs, die einen neuen Status übertragen, lassen sich in beliebig großer Zahl gleichzeitig bereitstellen. Die Datenübertragung erfolgt dann über diejenige Schnittstelle, die am wenigsten ausgelastet ist. Das beschleunigt den Datenaustausch doppelt: Er erfolgt zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit der größtmöglichen Geschwindigkeit. Zudem ermöglichen insbesondere REST-APIs, die auf Web-Technologie aufgebaut sind, eine unkomplizierte Übertragung verschlüsselter Daten über bekannte Web-Protokolle und Ports, zum Beispiel Port 80 und Port 443. Als Alternative zu APIs beherrschen auch Message Broker, wie etwa die Open-Source-Software Rabbit MQ, den eventbasierten Datenaustausch. Hier abonniert ein Empfänger eine Queue (Nachrichtenschlange) und erhält dann automatisch Nachricht über die bereitstehenden Daten, wenn sie der Versender in die Queue gegeben hat.

Fazit

Dynamische Logistik lebt von modernen Schnittstellen

Eventbasierte Schnittstellen passen exakt zu den Anforderungen moderner Logistikkonzepte mit taggleichen Dienstleistungen und produktionsgetriebener Planung. Sie sind dazu in der Lage, Echtzeitinformationen wie etwa die erwartete Ankunftszeit (ETA) bereitzustellen und verbessern so die Planungsoptionen für Logistiker bei Industrie und Handel ebenso wie bei den Dienstleistern.

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Bastian Späth
Bastian Späth
CEO / Vorstand

Als Diplom-Informatiker kennt sich Bastian Späth mit der Entwicklung von IT-Lösungen fachlich von der Pieke auf aus. Anforderungen erfassen, Ideen finden, Konzepte entwickeln, Projekte aufsetzen und sicher ins Ziel steuern – seit mehr als 15 Jahren täglich gelebte Praxis für den Unterfranken.


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