Low Code in der Logistik: individuelle Software ohne Programmieraufwand

Low Code bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Logistiksoftware individuell anzupassen – schnell und flexibel, ohne tiefes Programmierwissen.

„Mal eben“ testen, ob sich nicht softwareseitig verhindern lässt, dass vor Feiertagen Expressaufträge vom System angenommen werden, die gar nicht mehr ausgeliefert werden können? So (oder so ähnlich) lautet sicherlich der Wunsch vieler Projektmanager. Normalerweise gibt es kein „mal eben“: Insbesondere bei den komplexen Softwarelösungen, die in der Logistik zum Einsatz kommen, ist es nicht ganz trivial, neue Regeln und Funktionen kurzfristig einzufügen. Erschwerend hinzu kommt, dass gerade in der Logistik Prozesse oft höchstindividuell sind. Die gewünschte Änderung muss also genau beschrieben und an den Softwaredienstleister weitergegeben werden. Bis der Code geschrieben, die neue Anforderung in das Tool integriert sowie getestet wurde, vergeht Zeit. Anders sieht das aus, wenn innerhalb der Software mit Low Code gearbeitet wird. Wie das abläuft und wie Steuerung und Regeln ganz ohne Entwicklung und Programmierkenntnisse funktioniert, lesen Sie hier.


EIKONA Enterprise Plattform

Low Code für maximale Performance

Die EIKONA Enterprise Plattform nutzt Blockly, um Logistikprozesse per Low Code flexibel abzubilden. Ihr großer Vorteil: Sie kann sehr viele Events in kürzester Zeit verarbeiten, sodass Daten und Informationen aus unterschiedlichsten Quellen effizient miteinander verknüpft werden. Das macht sie ideal für komplexe Lieferketten, bei denen zahlreiche Prozesse parallel ablaufen. Citizen Developer können so Regeln und Abläufe direkt umsetzen, testen und anpassen – ohne dass die Performance der Plattform darunter leidet. Mit EIKONA wird Low Code in der Logistik zu einem leistungsstarken Werkzeug für Geschwindigkeit, Transparenz und Flexibilität.


No Code versus Low Code – wo sind die Unterschiede?

Software anpassen und Regeln einfügen, ganz ohne Entwicklung – das geht! Möglich wird das durch sogenannte Low-Code- beziehungsweise No-Code-Technologien. Wo liegen da die Unterschiede? Der Name verrät es schon: Bei No Code kommt keinerlei Programmierung zum Einsatz, Low Code hingegen erfordert ein grundlegendes technisches Verständnis, da bestimmte Skripte oder Befehle eingesetzt werden.

Low Code unterscheidet sich von agiler Softwareentwicklung. Zwar geht es bei Letzterer auch darum, schnell auf Veränderungen reagieren zu können und Softwareupdates in kurzen Sprints zu entwickeln. Der Low-Code-Ansatz kommt jedoch gänzlich ohne Softwareentwicklung aus.

Infobox: Welche Software steckt hinter Low-Code-Anwendungen?

Viele Low-Code-Editoren basieren auf einer bestimmten Technik: Blockly. Das ist eine kostenlose Open-Source-Software von Google, die von jedem genutzt werden kann. Entwickler können ihren Anwendungen damit einen visuellen, blockbasierten (wie der Name schon verrät) Code-Editor hinzufügen. Die puzzleartigen Blöcke, die miteinander verzahnt werden können, werden auf der übersichtlichen Benutzeroberfläche per Drag and Drop bewegt und programmieren so logische Ausdrücke, Schleifen und Co. Der visuelle Ansatz – im Kontrast zu geschriebenem Code, der sonst verwendet wird – sorgt dafür, dass User sich nicht um die komplexe Syntax des Codes kümmern müssen. Dabei ist es möglich, benutzerdefinierte Blöcke in die Low-Code-Editoren einzubauen, damit sie bestmöglich zu den Anforderungen des jeweiligen Unternehmens passen.

Von Lego über Angry Birds zu Logistiksoftware: Wie funktionieren Low-Code-Anwendungen?

Wie man sich eine solche Low-Code-Umgebung vorstellen kann? Vielleicht hilft der Gedanke an Lego-Klötze. Genau wie beim Spielen mit den beliebten Klemmbausteinen wird auch bei Low Code ein Block auf den anderen gesetzt. Die Blöcke decken verschiedene Kategorien ab: So gibt es beispielsweise Logikblöcke mit denen sich Befehle wie „falls …“ oder „mache …“ umsetzen lassen, Datenfelder, in denen Dinge wie „Auftragswert“ oder „Steuerbetrag“ erfasst werden, Regeln, Arithmetik-Blöcke sowie Textfelder zur Anzeige einer Meldung (auch in verschiedenen Sprachen).

Ist eine Regel einmal gebaut, kann sie leicht für einen anderen Anwendungsfall kopiert werden. Das hilft beispielsweise enorm, wenn für verschiedene Netzwerkpartner prinzipiell dieselben Prozesse ausgelöst werden sollen, die Zahlenwerte jedoch leicht differieren. Einfach die Regel in den neuen Fall kopieren, einzelne Felder anpassen, fertig.

Üben kann man den Umgang mit Low Code übrigens auf Websites wie code.org. Dort können Interessierte aller Altersklassen grundlegende Programmierkenntnisse erlernen – zum Beispiel bei einem Angry-Birds-Spiel, in dem der Vogel mit Hilfe von Code-Bausteinen zum Schweinchen gebracht werden soll. Grundprinzipien wie „wiederhole Bewegung XY dreimal“, anstatt denselben Pfeil mehrfach hintereinander einzufügen, lernt man dort schnell.


Wer kann mit Low Code arbeiten?

Citizen developer“ lautet der englische Fachbegriff für Personen, die keine informatische Ausbildung haben, sich aber als Endbenutzer in Entwicklungsumgebungen bewegen. Wie Softwareentwickler sagen, die Low-Code-Plattformen entwickeln: „Eine ‚Grund-Programmier-Denke‘ braucht man schon, um mit den Regelblöcken umzugehen.“ Wer sich also für logische Fragestellungen interessiert, eine klare Vorstellung davon hat, wie man geschickt von Problem A zu Wunschergebnis B kommen könnte und keine Angst vor „Trial and Error“-Prozessen hat, ist für Low Code genau richtig.

Häufig sind Personen aus dem Projektmanagement, die bestens mit den vielen Prozessen entlang der Lieferkette vertraut sind, und IT-interessierte Mitarbeitende mit den Low-Code-Umgebungen betraut. Angst, etwas kaputt zu machen, muss dabei niemand haben: Softwaredienstleister setzen beim Aufbau des visuellen Editors bewusst bestimmte „Leitplanken“ und Grenzen, die dafür sorgen, dass in der Low-Code-Umgebung kein Schaden am eigentlichen Tool angerichtet werden kann.

Vorteile von Low Code in der Logistik sind der visuelle, blockbasierte Editor, dass Nutzer Prozesse eigenständig modellieren können und sich Regeln flexibel anpassen lassen.

Praxisbeispiel: so funktioniert Low Code in der Logistik

Immer, wenn entlang der Lieferkette etwas passiert (oder auch nicht passiert), ist das ein Ereignis, das eine bestimmte Reaktion erfordert. Ob eine Sendung zu lange steht (also nichts passiert), ein neuer Auftrag reinkommt, eine Nachfrage gesendet wird oder ein Zustellversuch missglückt ist: Das alles zieht weitere Handlungen nach sich, die im besten Fall automatisiert ablaufen.    

Nehmen wir einmal die Auftragserfassung. Werden hier schon während der Eingabe von Aufträgen alle notwendigen Daten abgefragt, Fehler geflaggt und Sonderbedingungen berücksichtigt, spart das später viel Zeit und Ärger. Steht beispielsweise bald ein Feiertag an, ist es wichtig, im Buchungssystem schon zu hinterlegen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt die Abholung nicht mehr für denselben Tag gebucht werden kann. Auch Zahlendreher und Co. lassen sich mit Low-Code-Regeln gut umschiffen. User könnten beispielsweise eine Regel anlegen, laut der der Warenwert 100.000 € nicht überschreiten darf, weil dann Versicherungsfragen aufkommen. Das System nimmt nun Buchungen, bei denen vielleicht eine Null zu viel im Warenwert steht, gar nicht erst an.

Der große Vorteil: All diese Regeln können „mal eben“ getestet werden, in unserem Fall mit einer Probebuchung einer Sendung im Wert von 1.000.000 €. Stellt sich heraus, dass eine Regel noch nicht so funktioniert wie geplant oder nicht mehr benötigt wird, können die Blöcke einfach wieder gelöscht werden. In der Digitalisierung der Supply Chain spielen Low-Code-Umgebungen also eine große Rolle, denn sie geben Usern Kontrolle und Flexibilität im täglichen Umgang mit den eignen Anwendungen – ganz ohne Programmierkenntnisse.


Welche Rolle spielen Softwaredienstleister bei der Arbeit mit Low-Code-Plattformen?

Nun könnte man denken: „Brauchen wir Softwaredienstleister dann überhaupt noch, wenn IT-kundige Personen im Unternehmen selbst Regeln und Zusatzfunktionen einbauen können?“ Die klare Antwort: „Ja!“. Damit innerhalb der Low-Code-Plattform gearbeitet werden kann, kommt es bei der Anwendungsentwicklung auf die richtige Integration an. Ohne Kontext und den passenden Startpunkt wüssten Citizen Developer sonst gar nicht, wo sie anfangen oder wie sie die Anforderung am geschicktesten umsetzen sollen.

Die Aufgabe eines Softwaredienstleisters besteht also darin, das passende Framework zu liefern und alle notwendigen Schnittstellen zu bauen. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Wird eine Expresssendung ins Auftragsmanagementsystem eingegeben, soll ein bestimmter Personenkreis mit einer Teams-Nachricht direkt über den Eilauftrag informiert werden. Damit der Low-Code-User eine solche Regel aber erstellen kann, sind die passenden Bausteine wichtig. Der Softwaredienstleister muss also vorher unter anderem den Block „Sende eine Teams-Nachricht an …“ erstellt und die Logistiksoftware mit Teams verknüpft haben, damit die Funktion in der Low-Code-Umgebung genutzt werden kann.

Auf die passenden Korrelationen kommt es außerdem an: Mails müssen den entsprechenden Sendungen zugeordnet, Daten extrahiert und mit dem Auftrag gematcht werden, und so weiter. Denn eins gilt auch hier: Wissen ist Macht. Liegen sämtliche Daten einer Sendung vor, können die Regeln, die drumherum erstellt werden, schließlich viel komplexere und umfassendere Aktionen auslösen. Es lohnt sich, hierfür auf einen Softwareanbieter zu setzen, der auf die Logistikbranche spezialisiert ist und immer den richtigen Kontext kennt.

Dokumentation, Verantwortung und Grenzen: das gilt es bei Low Code zu beachten

Softwareentwickler wissen das: Beim Programmieren spielt die Dokumentation eine große Rolle. Werden Änderungen am Code vorgenommen, ist es wichtig, zu kommentieren, weshalb diese oder jene Entscheidung getroffen wurde. Wird das Programm Monate später wieder angefasst, vielleicht sogar von anderen Personen, herrscht sonst schnell Chaos.

Gleiches gilt für Low-Code-User: Wer Änderungen an der Software vornehmen kann (natürlich immer im Rahmen der Leitplanken, die bei der Entwicklung gesetzt wurden), muss auch verantwortungsvoll damit umgehen und dokumentieren, welche Regeln aus welchem Grund eingebaut wurden. So können verschiedene Personen aus unterschiedlichen Bereichen bequem innerhalb der Plattform zusammenarbeiten. Softwaredienstleister haben daher die Aufgabe, die Low-Code-Umgebung sinnvoll zu übergeben und bei den Usern ein Verständnis für die Komplexität des Tools zu schaffen.

Natürlich sind die Low-Code-Editoren nicht für alle Anforderungen geeignet. Kleinere Anpassungen und Regeln können dank der puzzleartigen Blöcke schnell und flexibel umgesetzt werden, ohne dass jemand aus der Anwendungsentwicklung beteiligt sein muss. Geht es aber um hochkomplexe Anforderungen, ist es immer besser, handgeschriebenen Code vom Entwickler einzusetzen, weil dieser meist effizienter ist. Große Softwareplattformen verarbeiten zu Spitzenzeiten 250 Events pro Sekunde. Ob die Reaktion darauf eine Millisekunde länger oder kürzer dauert, macht für die Performance der Plattform einen großen Unterschied.

Auf einen Blick: die Vorteile von Low Code

  • Flexibel und individuell: In der Logistik sind die meisten Prozesse höchstindividuell. Mit dem Low-Code-Editor kann die Software ohne Entwicklungsaufwand jederzeit an neue Anforderungen angepasst werden.
  • Ressourcenschonend: Muss nicht mehr jede Anforderung und neue Idee, die Software userfreundlicher zu machen, an den Softwaredienstleister weitergegeben werden, spart das Ressourcen und Geld.
  • Schnell umsetzbar: Low Code bietet die Möglichkeit, Regeln und Abläufe schnell und unkompliziert zu testen. Der Effekt war nicht so wie erhofft? Kein Problem, einfach die Regel wieder löschen und einen anderen Ansatz testen.
  • Performant: Übernimmt ein Softwaredienstleister die Integration der Low-Code-Umgebungen, sind die verfügbaren Bausteine am Ende perfekt auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten. Regeln erzielen dann die größte Wirkung, weil alle notwendigen Daten und Schnittstellen vorhanden sind.


Fazit

Win-win für alle Beteiligten: Low Code in der Logistik spart Arbeit und macht Prozesse effizienter

Die digitale Transformation ist auch in der Logistik ein großes Thema. Der Wunsch nach Automatisierung und der Beschleunigung von Prozessen ist nicht neu – gab es früher noch Hilfsmittel wie Entscheidungstabellen, die beispielsweise im Taskmanagement eingesetzt wurden, so rufen heute viele nach einer KI-Lösung. „Logistiksoftware schnell entwickeln“ lautet eine häufige Suchanfrage. Die Lösung: Low Code! Ist das passende Framework einmal eingerichtet, können Nicht-Informatiker ihre Logistiksoftware im visuellen Editor schnell, flexibel und individuell an die Bedürfnisse des Unternehmens anpassen.

Dabei profitieren alle Seiten: Unternehmen sparen Geld und können spontaner agieren, weil sie kleine Anforderungen an die Software selbst umsetzen. Softwaredienstleister wiederum kümmern sich darum, zuverlässige und performante Anbindungen zu schaffen, die die Low-Code-Umgebung perfekt in die übrige Software einbetten. Entwicklungsressourcen werden so bestmöglich eingesetzt – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Klingt nach einer guten Sache!


Stefan Seufert
Stefan Seufert
CTO / Vorstand

Wie kein Zweiter fuchst sich der Software-Entwickler als Meister des Konzepts in die Anforderungen von Logistikdienstleistern. Informationen sicher und effizient auszutauschen und damit auch den physischen Logistik-Prozess zu beschleunigen, ist seine Leidenschaft.