Linienoptimierung: weniger Leerfahrten, stärkere Netzwerke

Ein LKW transportiert Haushaltsgeräte auf der Autobahn und veranschaulicht die Optimierung von Logistiklinien.

Saisonale Spitzen, volatile Nachfrage, Lieferengpässe, Zollbestimmungen, und, und, und – kaum ein Wirtschaftsbereich ist so vielen Unsicherheitsfaktoren unterworfen wie die Logistik. Schwankende Mengen gehören deshalb zur Tagesordnung und machen die Transportplanung keinesfalls leichter. Ein weiteres Problem ist die mangelnde Transparenz in Sachen Kapazitäten. Innerhalb eines Stückgutnetzwerks kümmert sich jeder Partner um seine Transportplanung, hat dabei aber immer nur die eigene Brille auf. Welche Kombinationsmöglichkeiten es mit anderen Partnern gäbe oder ob sich bestimmte Umwege vielleicht vermieden ließen, können sie ohne Informationen zur Auslastung der Netzwerkpartner gar nicht beantworten.

Schwankende Mengen und unklare Kapazitäten führen zu Leerfahrten

Das Ergebnis: Nicht alle Fahrten sind perfekt ausgelastet. Abhilfe schafft hier eine Logistiksoftware, die speziell auf die Berechnung der optimalen Mengenverteilung und Transportrouten ausgerichtet ist – ein Ansatz, der in der Praxis oft Linienoptimierung genannt wird. Schon Auslastungssteigerungen im unteren einstelligen Prozentbereich führen zu enormen Einsparungen. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Hauptlauf bietet viel Optimierungspotenzial

Ein erheblicher Effizienzhebel liegt im Kern des Stückgutverkehrs: im Hauptlauf. Der Hauptlauf ist in vielen Netzwerken historisch gewachsen. Linien wurden zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeführt, an Sendungsströmen ausgerichtet und über Jahre hinweg nur punktuell angepasst. Veränderungen im Sendungsaufkommen, neue Partner oder veränderte Relationen führen jedoch dazu, dass diese Strukturen mit der Realität nicht mehr vollständig übereinstimmen. Die Hauptziele der Linienoptimierung sind, dass:

  • vorhandene Kapazitäten besser ausgelastet werden,
  • parallele oder ineffiziente Verkehre vermieden werden,
  • Leerfahrten und Teilbeladungen reduziert werden,
  • und der Bedarf an extern zugekauften Lademetern sinkt.

Dabei ist es wichtig, Transparenz in Sachen Mengen und Kapazitäten zu schaffen, und zwar über sämtliche Unternehmensgrenzen hinweg.

Kostenreduktion: Diese Vorteile bietet Linienoptimierung

„So viele wie nötig, so wenig wie möglich“ – so sollte die Antwort lauten, wenn innerhalb eines Netzwerks die Frage nach der Anzahl benötigter Lkw gestellt wird, um den Linienverkehr zu bedienen. Aber wie viele sind das konkret? Gar nicht so leicht zu beantworten.

Der Begriff „Leerfahrten vermeiden“ impliziert, dass sich regelmäßig leere Fahrzeuge von A nach B bewegen würden – die Realität sieht natürlich ganz anders aus. Hier ist eine Teilstrecke nur zu 80 Prozent ausgelastet, dort werden drei Lademeter extern hinzugekauft, aber nicht immer genutzt – das läppert sich.

Jede Unternutzung zieht gigantische Kostenblöcke nach sich. Der Vorteil: Oft können schon kleine Änderungen Großes bewirken. Dank der Linienoptimierung kann beispielsweise ein Lkw, durch den Einsatz von vier anderen Fahrzeugen in einem komplexen Ringtausch ersetzt werden, was zu enormen Einsparungen führt. Die Frage ist nur: Wie findet ein Netzwerk heraus, welche Fahrten obsolet sind, weil die Ladung von anderen Lkw mitgetragen werden könnte?

Welche Daten fehlen, und wie gelangt die Netzwerkzentrale daran?

Man lege sämtliche Lkw und Linien innerhalb eines Netzwerks nebeneinander, vergleiche sie mit den verschiedenen Zielen und verteile die Mengen so, dass alle Fahrzeuge optimal ausgelastet sind – an sich klingt das nach einer wunderbaren Rechenaufgabe für einen Algorithmus. Das Problem: Selten liegen alle benötigten Daten an einem zentralen Ort vor. Selbst wenn sämtliche Partner über eine Logistikplattform miteinander verbunden sind, findet die Linienplanung häufig noch über lokale Exceltabellen statt. Damit der Algorithmus aber realistisch berechnen kann, wo Einsparpotenziale bestehen und wie die optimale Linienverteilung aussieht, braucht er eine möglichst vollständige Datengrundlage.

Der Anspruch einer guten Software für Linienoptimierung muss daher sein, fehlende Daten, die in lokalen Dateien und Tabellen schlummern, möglichst niederschwellig einzusammeln. Die Verantwortlichen haben schließlich wenig Zeit – ist die Dateneingabe kompliziert, steigt die Hemmschwelle, sie zu übermitteln, deutlich. Die Eingabeoberfläche sollte daher maximal benutzerfreundlich gestaltet sein. Das geht beispielsweise über ein Online-Formular, das in die Logistikplattform integriert ist. Die Verantwortlichen können darüber Informationen zu ihren Touren eingeben. Wie sieht der Laderaum aus, werden Lademeter extern zugekauft? Handelt es sich um eine One-Way-Strecke, um einen Rundlauf oder um Begegnungsverkehr? Der Initialaufwand ist dabei einmal etwas höher, bis die Datengrundlage gelegt ist. Ist das erledigt, müssen die Verantwortlichen nur dann ihre Eingaben anpassen, wenn sich im Verkehr etwas geändert hat.

Warnsystem: Achtung, die Auslastung stimmt nicht!

Stellt die Software fest, dass die Lkw-Auslastung bei einigen Relationen nicht optimal ist, schlägt sie Alarm: „Die drei zugekauften Lademeter auf dieser Linie sind in den letzten Wochen zu nur 20 Prozent beansprucht worden. Laut den Zahlen könnten die Waren anders verteilt werden, um diesen Ankauf zu sparen.“

Doch jeder weiß: die beste Kritik ist konstruktiv. Eine gute Software für Linienoptimierung weist deshalb nicht nur auf ein Problem hin, sondern bietet direkt Lösungsvorschläge. Die Rechnungen, die dahinterstehen, sind komplex, das Resultat jedoch eine klare Handlungsempfehlung. Mal werden zugekaufte Lademeter auf mehrere netzwerkinternen Lkw aufgeteilt, vielleicht sind auch zusätzliche Stopps auf einer bestehenden Linie nötig. Die Änderungen sind immer graduell und gut handelbar. So werden nicht sämtliche Linien auf einmal angepasst, sondern das Change Management findet peu à peu statt.

Die Infografik zeigt, dass 37,5 % der Lkw-Ladefläche 2024 in Deutschland ungenutzt blieben, was zu vielen Leerfahrten führte.

Fazit

Optimal ausgelastete Linienverkehre: Software und Mensch arbeiten Hand in Hand

Hier zwei verschenkte Lademeter, dort eine nicht komplett ausgelastete Teilstrecke: Das läppert sich ganz schön. Linienoptimierung kann daher ein großer Hebel in Sachen Kostenreduktion sein. Die Berechnungen der Software machen Netzwerke handlungsfähig. So arbeiten sie nicht mehr nur mit abstrakten Prozentzahlen, die Auskunft über die Transportauslastung geben, sondern mit ganz konkreten Empfehlungen, die sich Schritt für Schritt in die Tat umsetzen lassen. Linienumstellungen erfolgen dabei graduell – so ist das Change Management gut zu handeln.

Eins sollten Unternehmen dabei jedoch immer im Hinterkopf behalten: Linienoptimierung kann nur funktionieren, wenn sich die Mitarbeitenden aktiv beteiligen. Um eine vollständige Datenbasis zu haben, müssen sämtliche Abhängigkeiten einbezogen werden – und das sind bekanntermaßen eine ganze Menge, wenn es um Logistiknetzwerke geht. Das echte Potenzial liegt deshalb in der Kommunikation und Kooperation im Netzwerk.


Stefan Seufert
Stefan Seufert
CTO / Vorstand

Wie kein Zweiter fuchst sich der Software-Entwickler als Meister des Konzepts in die Anforderungen von Logistikdienstleistern. Informationen sicher und effizient auszutauschen und damit auch den physischen Logistik-Prozess zu beschleunigen, ist seine Leidenschaft.