Windows 11 – Die beste Windows-Version aller Zeiten?

Simon Rascher
Mann sitzt an seinem Laptop und aktualisiert das Betriebssystem auf Windows 11

„Früher war alles besser“ - diesem Statement sieht man sich besonders in der IT immer wieder entgegengestellt. Aber ist das auch bei Windows 11 der Fall? Im aktuellen Release-Zyklus haben wir daher die neue Version für zwei Wochen ausprobiert – hier sind unsere Eindrücke:


Installation

Die Installation von Windows 11 auf unseren Windows 10 Systemen ging problemlos über die Bühne, unter Zuhilfenahme der bekannten „Registry“-Anpassungen. Zusätzlich musste die Windows 11 ISO von Microsoft heruntergeladen werden.

Alternativ kann man der verfügbaren Windows 11-ISO über Rufus die TPM- und Secure-Boot Voraussetzungen entfernen lassen, wodurch auch ein Notebook mit 3. Generation Intel i5 mit Windows 11 ausstattbar ist. Fakt ist, Rechner müssen deutlich höhere Systemvoraussetzungen erfüllen, um auf Windows 11 aktualisiert werden zu können. Microsoft bietet dafür ein Prüf-Tool, um zu checken, ob die eigene Hardware mit Windows 11 funktioniert.

Nach ausgiebigen Tests im Alltagsgebrauch, haben wir folgende Vor- und Nachteile festgestellt:


Vorteile

Die größte Angst für Wechsler kann großteilig genommen werden: Die alte Software, welche zuletzt auf Windows 10 lief, funktioniert auch unter Windows 11. Seltene Ausnahmen bestätigen hier zwar die Regel, aber alle Industrie-Apps und Programme, welche wir getestet haben, konnten problemlos gestartet werden.

Ein grundsätzlicher Vorteil ist: Sofern der PC den Mindestanforderungen entspricht, kann Windows 11 über das Windows-Update einfach aktualisiert werden, ohne eine neue Lizenz kaufen zu müssen. Damit halten sich die Upgradekosten wie bei Windows 10 klein. Die Verwendung eines Windows 7/10 Keys als Upgrade steht weiterhin zur Verfügung.

Moderneres und zeitgemäßes Design

Eine der optisch größten Neuerungen ist der (subjektiv) elegante Stil der Programme im neuen Fluent-Design! Insgesamt ist die Benutzeroberfläche von Windows 11 mit einem frischen Anstrich ausgestattet worden. Dabei reicht die Farb- und Menüpalette von Hellblau-Tönen bis zu einem fokussierten Dark-Mode. Diesen gab es zwar bereits beim Vorgänger, wurde hier jedoch noch besser systemweit integriert. Er hilft bei langen Arbeitstagen und schont die Augen am Bildschirmarbeitsplatz. Windows 11 sieht insgesamt moderner aus, mit neuen abgerundeten Formen, die zeitgemäßer wirken. Eine zentrierte Taskleiste trägt zu diesem neuen Gefühl bei, wobei ein Ausrichten der Taskleiste an den linken Rand definitiv noch möglich ist.

Snap Assist und Einstellungen noch besser und übersichtlicher

Im Oberflächenbereich hat sich „Snap Assist“ als sehr nützlich erwiesen. Windows bietet seit langem viele verschiedene Möglichkeiten zum Anordnen und Einrasten von Fenstern, welche nun um logische Kacheln erweitert wurden. Diese sind einfach beim Darüberfahren über das „Maximieren“-Element vorhanden. Sie sind kein verborgenes Geheimnis mehr, welches bisher nur fortgeschrittenen Benutzern mit PowerToys möglich war.

Ein großer Schritt nach vorn ist die neue Einstellungsoberfläche – vorbei ist die Ära endlos auffächernder Untermenüs. Man ist hier den zentralisierten Weg á la MacOS gegangen. Leider sind einige Elemente immer noch in der klassischen „Systemsteuerung“ untergebracht, welche damit nun seit drei Windows-Releases (8,10,11) der unangefochtene Meister der Einstellungen ist.

Arbeitsplatzwechsel mit mehreren Monitoren leicht gemacht

Viele Unternehmen setzen Laptops mit Dockingstation ein. Diese erweitern den Arbeitsplatz auf bis zu vier Monitore und mehr. Microsoft hat genau für diesen Einsatz eine intelligente Methode zum Andocken und Abdocken von Laptops entwickelt, mit der sich Windows 11 den Standort Ihrer Anwendungen merkt. Vorbei sind die Zeiten, in denen man beim Umzug an einen anderen Arbeitsplatz Desktopsymbole und Fensterpositionen neu ausrichten durfte.

Integrierte Anwendungen mit neuen Features

Microsoft hat auch Verbesserungen an den integrierten Anwendungen in Windows 11 vorgenommen. Die meisten Änderungen betreffen Teams, Paint, Uhr und Fotos, wobei Paint das Menüband zugunsten einer neuen Befehlsleiste aufgibt. MS-Teams bleibt für den betrieblichen Einsatz gewohnt gleich. Für das private Windows 11 wird direkt in der Taskleiste eine „Chat“-Funktion integriert, hinter der sich das ganz normale Teams versteckt. Die Fotos-App wurde ebenfalls überarbeitet und bietet jetzt eine praktische Multi-View-Funktion, mit der man mehrere Fotos in einem einzigen Fenster vergleichen kann. Die Uhr-Anwendung enthält jetzt „Focus Sessions“: eine neue Funktion zur Produktivitätssteigerung. Durch Aufteilen der Arbeit in kleinere Abschnitte mit kurzen Pausen möchte die App im Alltag helfen. Focus Sessions beinhaltet die Spotify-Integration und ist nützlich, wenn man zwischen den Meetings kurze digitale Detox-Sitzungen durchführen möchte.


Nachteile

Die Taskleiste ist der größte Bereich mit Mankos in Windows 11. Es fehlen grundlegende Features wie die Möglichkeit, die Größe oder Position der Taskleiste einzustellen. Ziehen und Ablegen auf der Taskleiste ist ebenfalls nicht möglich, und man kann nicht einmal die Uhrzeit und das Datum auf der Taskleiste auf mehreren Monitoren anzeigen lassen. Schlimmer noch – das komplette Rechtsklick-Menü der Taskleiste wurde bis auf die wertloseste Option beraubt: Die „Taskleisteneinstellungen“. Auch entfernt wurde die Option, alle Icons des Überlauf-Menüs (rechte Ecke der Haupttaskleiste) auf einmal sichtbar zu machen – aktuell nur über händische Selektierung möglich.

Viele Features zum Release nicht umgesetzt

Microsoft hatte eine universelle Funktion zum Stummschalten und Aufheben der Stummschaltung versprochen, mit der man das Mikrofon in allen Apps schnell stummschalten können, aber diese Funktion fehlt zum Start. Microsoft kündigte auch an, dass Android-Apps für Windows 11 verfügbar sein würden, aber auch diese sind noch nicht fertig. Sogar eine Funktion zur dynamischen Bildwiederholfrequenz, die das Scrollen und Einfärben auf neuen Windows 11-Geräten mit 120 Hz verbessern soll, ohne die Akkulaufzeit zu beeinträchtigen, fehlt zum Start.

Edge und Bing in internen Anwendungen als Standard

Negativ aufgefallen ist auch, dass Microsoft den Edge-Browser aufzwingt, wenn man auf Links in Widgets klickt, anstatt den Standardbrowser des Betriebssystems zu respektieren. Hier hat Microsoft bereits einen Patch versprochen, um dem Wahnsinn der einzelnen Link-Anpassungen Einhalt zu gebieten.

Auch die Suchoberfläche in Windows 11, die weitgehend unverändert bleibt, zwingt Nutzer nach wie vor in Edge und die Microsoft-Suchmaschine Bing. Man muss hier jedoch positiv vermerken, dass das Suchverhalten und die Suchschnelligkeit um Längen besser ist als die schwache Performance in Windows 10.

Microsoft hat auch die Energieoptionen, die Lautstärkeregler, die Netzwerksteuerung und die Benachrichtigungszentrale in Windows 11 „vereinfacht“ und daraus ein Android-style Widget-Menü mit austauschbaren Optionen gemacht. Wir sind der Meinung, dass Microsoft die Audiosteuerung in Windows 11 weiter verbessern könnte.


Fazit

Endverbrauchen als Tester

Abschließend sind wir uns einig, dass Microsoft die Endverbraucher hier ihren Beta-Test machen lässt (wofür eigentlich das Insider-Programm existiert und der auch offiziell bereits vorbei sein sollte). Viele Elemente fühlen sich unfertig an, gewohnte Funktionalitäten aus vorherigen Releases wurden verschlimmbessert, versprochene Day-One-Features fehlen komplett und haben keine bekannten Patch-Daten. Rückblickend hätten wir mit unserem Wechsel auf Windows 11 definitiv noch warten können – vor allem, da Windows 10 noch bis 2025 in vollem Support bleibt. Daher also: treffen Sie, basierend auf den verfügbaren Informationen, Ihre eigene Entscheidung, denn Sie kann Ihnen viel Zeit kosten.

 


Simon Rascher
Simon Rascher
Teamlead Software Development

Mit seiner Hands-on-Mentalität krempelt das Organisationstalent sprichwörtlich die Ärmel hoch und ist da, wenn er gebraucht wird. Das schätzt auch sein Team an dem sympathischen Franken. Als Teamlead der Softwareentwicklung im Webumfeld liegt sein Schwerpunkt im Teamaufbau und der Weiterbildung innerhalb seiner Abteilung.


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