Definition
In Logistiknetzwerken beschreibt die Linienoptimierung die datengestützte Planung und Anpassung von Transportverbindungen im Hauptlauf, um die Lkw Auslastung zu maximieren und die Anzahl der gefahrenen Kilometer pro Sendung zu minimieren. Ziel ist es, schwankende Mengen und Kapazitäten so zu synchronisieren, dass eine Leerfahrt vermieden und die Abhängigkeit von externen Lademetern reduziert wird.
Das Problem: Leerfahrten und ungenutzte Kapazitäten
Der Begriff Leerfahrt bezeichnet im allgemeinen Kontext jede Fahrt eines Transportmittels ohne Ladung. In der Logistik ist die Leerfahrt einer der größten Effizienzkiller. Dabei ist es nicht nur der komplett leere Lkw, der unnötige Kosten verursacht, sondern auch die mangelnde Transportauslastung auf Teilstrecken.
Gerade im Stückgutverkehr führen saisonale Spitzen, volatile Nachfrage und fehlende Transparenz dazu, dass:
- Speditionen Leerfahrten in Kauf nehmen müssen, da Rückfrachten fehlen,
- vorhandene Transportkapazitäten nicht ausgelastet werden, während parallel auf anderen Linien Lademeter teuer extern zugekauft werden und
- historisch gewachsene Linien nicht mehr zur aktuellen Realität der Sendungsströme passen.
Hauptlauf optimieren: Der Hebel für Ihr Stückgutnetzwerk
Der Hauptlauf bildet den Kern des Stückgutverkehrs und bietet eine Menge Optimierungspotenzial. Um den Hauptlauf zu optimieren, muss die „lokale Brille“ der einzelnen Standorte abgelegt und das gesamte Netzwerk als Einheit betrachtet werden.
Ziele einer erfolgreichen Linienoptimierung:
- Leerfahrten vermeiden: Reduzierung von Kilometern ohne Ladung.
- Lkw Leerfahrten nutzen: Freie Kapazitäten für andere Netzwerkpartner verfügbar machen.
- Stückgutnetzwerk Effizienz: Erhöhung der Rentabilität durch bessere Bündelung.
- Kostenreduktion: Senkung der Ausgaben für externe Frachtführer.
Exkurs: Der Ringtausch als Effizienz-Hebel
Ein besonderes Instrument der Linienoptimierung ist der sogenannte Ringtausch. Während klassische Pendelverkehre oft mit dem Problem einseitiger Warenströme zu kämpfen haben, verknüpft der Ringtausch drei oder mehr Standorte zu einem geschlossenen Kreislauf (z. B. A → B → C → A).
Die Vorteile des Ringtauschs:
- Volumenausgleich: Defizite auf einer Direktrelation werden durch Frachten auf Teilstrecken kompensiert.
- Höchste Lkw Auslastung: Das Fahrzeug ist auf jedem Abschnitt des „Rings“ optimal beladen.
- Prozessstabilität: Feste Umläufe schaffen Planungssicherheit an den Rampen.
Die Rolle von Daten und Software
Effektive Linienoptimierung ist heute ohne spezialisierte Logistik Software im Netzwerk kaum mehr möglich. Die Planung von komplexen Relationen wie dem Ringtausch geht am besten mit Hilfe von starken Algorithmen.
- Datengrundlage schaffen: Die Software sammelt Informationen zu Touren und Laderaum, die bislang in dezentralen Excel-Tabellen geschlummert haben, an einem Ort. Hier kommt es auf den Input von Mitarbeitenden an, die lokale Daten in eine zentrale Oberfläche eingeben.
- Algorithmus-basierte Analyse: Der Algorithmus erkennt Muster, berechnet die optimale Verteilung und identifiziert, wo Sie Leerfahrten reduzieren können.
- Konkrete Handlungsempfehlungen: Statt abstrakter Zahlen liefert das System klare Vorschläge, z. B. die Umverteilung von Mengen oder zusätzliche Stopps auf bestehenden Linien.
Fazit: Software und Mensch arbeiten Hand in Hand
Linienoptimierung ist ein strategischer Prozess. Schon kleine Steigerungen der Lkw Auslastung im unteren einstelligen Prozentbereich führen zu enormen Einsparungen. Die Software macht Netzwerke handlungsfähig, indem sie konkrete Empfehlungen gibt, die Schritt für Schritt umgesetzt werden können. So wird das Change Management im Netzwerk beherrschbar und die Profitabilität nachhaltig gesteigert.